2. November 2026 · Von: Panorama Redaktionsteam

Woher kommt Mundgeruch und wie wird man ihn los? Zahnfleisch, Zunge und Magen im Überblick

Dienstagvormittag, gegen zehn Uhr. Ein Mann Anfang dreißig setzt sich auf den Behandlungsstuhl und legt, noch bevor er den Mund geöffnet hat, eine Packung Pfefferminzkaugummi neben das Instrumententablett. „Zwei Packungen am Tag“, sagt er, „und trotzdem rückt mein Kollege im Meeting ein Stück mit dem Stuhl ab.“ Dann wird er leiser. „Meine Frau hat es auch schon gesagt. Mein Mundgeruch.“

Mundgeruch ist das Thema, über das im Behandlungszimmer am häufigsten gedämpft gesprochen wird. Die meisten verdächtigen zuerst den Magen, greifen dann zu Kaugummi und Pfefferminz und landen am Ende bei Natron-Rezepten aus dem Internet. Dabei entsteht der Geruch zum größten Teil im Mund selbst, und die Stelle lässt sich fast immer finden. Hinten auf der Zunge, in den Zahnfleischtaschen, am Rand einer alten Füllung, unter einer Brücke. Lauter Orte, an denen man suchen kann. Ich gehe sie unten einzeln durch, sodass Sie vieles auch zu Hause selbst prüfen können.

Was ist Mundgeruch, und warum merkt man ihn selbst nicht?

Mundgeruch, medizinisch Halitosis, ist ein anhaltend unangenehmer Atem, der auch anderen auffällt. Verantwortlich sind vor allem flüchtige Schwefelverbindungen, die Bakterien im Mund freisetzen, wenn sie Speisereste und abgestorbene Zellen abbauen. Allen voran Schwefelwasserstoff, der nach faulen Eiern riecht, und Methylmercaptan, das an alten Kohl erinnert.

Warum riechen wir den eigenen Atem nicht? Die Nase gewöhnt sich schnell an einen Geruch, der ständig da ist, und blendet ihn als Hintergrund aus. Das Parfüm vom Morgen nehmen Sie am Nachmittag ja auch nicht mehr wahr, und aus demselben Grund sagt der Griff mit der Hand vor dem Mund so wenig aus, selbst wenn Sie ganz vorsichtig daran riechen.

Wie verbreitet das Problem ist, zeigen Übersichtsarbeiten zur Halitosis. Demnach erlebt etwa ein Viertel bis die Hälfte der Erwachsenen zumindest zeitweise einen deutlichen Mundgeruch. Und dann gibt es die andere Seite der Medaille. Wir sehen Patienten, die gar nicht riechen, aber fest davon überzeugt sind, es zu tun, die Gesprächen auf Armeslänge ausweichen und im Aufzug die Luft anhalten. Das nennt man Halitophobie, und sie zehrt mindestens so sehr wie ein echter Geruch.

Woher kommt Mundgeruch? Die Quelle liegt meist im Mund selbst

Der Großteil des Geruchs stammt aus dem Mundraum, oft genannt werden acht bis neun von zehn Fällen. Eine systematische Übersichtsarbeit zählt Beläge auf der Zunge und Zahnfleischerkrankungen zu den Faktoren, die am stärksten mit dem Geruch zusammenhängen. Nasennebenhöhlen, Mandeln, Magen und Allgemeinerkrankungen teilen sich den kleinen Rest. Das ist eigentlich eine gute Nachricht, denn was im Mund sitzt, kann man finden und behandeln, ohne dass gleich der ganze Körper untersucht werden muss.

Im Behandlungszimmer haben wir ungefähr dieses Bild im Kopf.

Quelle Woran Sie es selbst erkennen können Was meist nötig ist
Zungenbelag Weißlich gelbe Schicht hinten auf der Zunge, deutlicher Geruch beim Löffeltest Tägliche Zungenreinigung
Zahnfleischentzündung und Taschen Bluten beim Putzen, Schwellung, Zahnfleischrückgang Zahnsteinentfernung, bei Bedarf Zahnfleischbehandlung
Karies, defekte Füllung, überstehender Kronenrand Speisereste an einem bestimmten Zahn, Geruch von einer einzelnen Stelle Füllung oder Krone erneuern, bei Bedarf Wurzelkanalbehandlung
Brücke und Prothese Geruch an der Zahnseide unter der Brücke, Prothese über Nacht im Mund Spezielle Zahnseide, Prothese jede Nacht herausnehmen und reinigen
Mundtrockenheit Klebriges Mundgefühl, häufiger Durst, regelmäßige Medikamente Wasser, zuckerfreier Kaugummi, Medikamente mit dem Arzt besprechen
Mandelsteine Kloßgefühl im Hals, weiße Krümel beim Husten HNO-Abklärung
Nebenhöhlenentzündung, Schleim im Rachen Verstopfte Nase, Sekret, das in den Rachen läuft HNO-Abklärung
Reflux und Magen Saures Aufstoßen, Brennen hinter dem Brustbein Abklärung beim Magen-Darm-Spezialisten

Eine Ecke wird gern vergessen. Über einem halb durchgebrochenen Weisheitszahn sitzt oft eine Zahnfleischkappe, in der sich Essen verfängt und die sich entzündet. Der Geruch kommt dann meist zusammen mit einem leichten Ziehen ganz hinten im Mund, und weil die Bürste die Stelle kaum erreicht, zieht sich die Sache hin, manchmal über Monate. Fast jeder. Mehr dazu steht im Beitrag Weisheitszahn entfernen und die Zeit danach.

Nahaufnahme eines Röntgenbilds mit Zahnsteinablagerungen an den Backenzähnen, Fokus auf den Zahnhals
Zahnstein zeigt sich im Röntgenbild als harte Auswüchse am Zahnhals und bietet Bakterien ein gut geeignetes Versteck. Foto von Jmarchn, Wikimedia Commons (CC0)

Kann eine Zahnfleischentzündung Mundgeruch verursachen?

Ja, und sie gehört zu den häufigsten Gründen. Gesundes Zahnfleisch sitzt fest am Zahn. Entzündet es sich, öffnen sich zwischen Zahn und Zahnfleisch Taschen, deren Grund kaum noch Sauerstoff abbekommt, und genau solche Milieus mögen schwefelbildende Bakterien. Je tiefer die Tasche, desto schwerer der Geruch. In diese Tiefe dringt keine Zahnbürste vor.

Viele Patienten winken ab. „Beim Putzen blutet es ein bisschen, aber das war schon immer so.“ Ehrlich gesagt beweist das „schon immer“ nicht, dass etwas normal ist, es beweist nur, dass es schon lange so geht. Zahnfleisch, das blutet, ist entzündetes Zahnfleisch. So schlicht ist das. Wie Sie zu Hause die ersten Schritte machen, lesen Sie im Beitrag Woher kommt Zahnfleischbluten.

Eine fortgeschrittene Zahnfleischerkrankung, die Parodontitis, ist viel verbreiteter, als man denkt. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet, dass schwere Zahnfleischerkrankungen weltweit mehr als eine Milliarde Menschen betreffen und mangelnde Mundpflege sowie Tabak zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen. Mit dem Fortschreiten kommen Knochenabbau, lockere Zähne und ein Zahnfleischrückgang hinzu. Weil die meisten bis dahin keinerlei Schmerzen spüren, bemerken sie es erst, wenn Partner oder Kollegen den Geruch ansprechen, und das ist meist ziemlich spät.

Eine Zahnfleischentzündung geht im frühen Stadium meist durch eine professionelle Reinigung und bessere Pflege zu Hause wieder zurück. Bei tiefen Taschen gehört zur Zahnfleischbehandlung, dass die Wurzeloberflächen bis zum Taschengrund gereinigt werden. Für Raucher gibt es noch einen Hinweis. Rauchen vermindert die Durchblutung des Zahnfleischs und verdeckt dadurch das Bluten. Das Zahnfleisch kann also krank sein, ohne zu bluten.

Zeichnung eines gesunden Zahns neben einem Zahn mit Parodontitis und vertiefter Zahnfleischtasche
Mit tieferen Taschen vermehren sich schwefelbildende Bakterien, die sauerstoffarme Nischen lieben. Foto von https://www.myupchar.com/en, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Kommt Mundgeruch vom Zungenbelag, und wie reinigt man die Zunge?

Ja. Wer gesundes Zahnfleisch hat, findet die Quelle am häufigsten im hinteren Drittel der Zunge. Die Zungenoberfläche ist nicht glatt, sie gleicht eher einem Teppich mit kurzem Flor, und zwischen den kleinen Erhebungen sammeln sich abgestorbene Zellen, Schleim aus dem Rachen und Speisereste, bevor sich darüber ein dichter Bakterienbelag legt, der mit jedem Tag etwas dicker wird. Stellen Sie sich vor den Spiegel, strecken Sie die Zunge heraus und schauen Sie ganz nach hinten. Sehen Sie eine weißlich gelbe Schicht, ist das der Zungenbelag. Ein bisschen hat jeder.

Für die Reinigung des Zungenbelags genügt ein Zungenschaber. Setzen Sie ihn ganz hinten an und ziehen Sie ihn mit leichtem Druck 4-5 Mal nach vorn, nach jedem Zug spülen Sie ihn unter Wasser ab. Bei starkem Würgereiz habe ich eine Bitte. Strecken Sie die Zunge heraus und atmen Sie beim Schaben aus, der Reflex lässt dann spürbar nach. Bis es blutet, müssen Sie nicht drücken, die Oberfläche wird sonst gereizt, und am nächsten Tag liegt eine noch dickere Schicht darauf.

Zwei Zungenschaber aus Kunststoff in Grün und Rot zur Reinigung des Zungenbelags
Ein Zungenschaber muss nichts Besonderes sein, ein Modell mit weichem Rand, das gut auf der Zunge liegt, genügt. Foto von Cipac Consulting, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Auch mit der Zahnbürste lässt sich die Zunge bürsten. Die Borsten schieben den Belag aber eher hin und her, als ihn aufzunehmen. Manche Bürsten haben auf dem Rücken eine genoppte Fläche, die durchaus hilft, ganz hinten kommt ein schmaler Schaber trotzdem leichter hin.

Zungenschaben ist übrigens keine neue Mode. In den sozialen Medien wurde es in den letzten Jahren oft geteilt, doch in Indien benutzt man seit Jahrhunderten Schaber aus Metall.

Schwarzweißfoto aus einem Museum, ein alter indischer Zungenschaber aus Metall mit dünner Klinge
Zungenschaben ist keine neue Gewohnheit, schon vor Jahrhunderten benutzte man Schaber aus Metall. Foto von Bilinmeyen, Wikimedia Commons (CC BY 4.0)
Nahaufnahme einer Zahnbürste mit genoppter Zungenreinigungsfläche auf der Rückseite des Bürstenkopfs
Die genoppte Fläche auf dem Bürstenrücken ist für die Zunge gedacht, ganz hinten ist ein Schaber trotzdem bequemer. Foto von Wikideas1 Wikideas1 (talk) (Uploads), Wikimedia Commons (CC0)

Morgendlicher Mundgeruch, ist das normal?

Ein unangenehmer Atem am Morgen ist größtenteils normal. Im Schlaf geht der Speichelfluss deutlich zurück. Weil Speichel die natürliche Spülung des Mundes ist, haben die Bakterien die ganze Nacht freie Bahn. Bei Menschen, die mit offenem Mund schlafen, schnarchen, spät abends essen und sich gleich hinlegen oder nachts eine verstopfte Nase haben, wird der Geruch viel stärker, denn der Mund bleibt bis zum Morgen trocken wie eine Höhle.

Verschwindet er nach Frühstück und Zähneputzen, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Reine Physiologie. Hält er bis zum Mittag an oder fällt er Ihrem Umfeld auch tagsüber auf, sollte man eine andere Quelle suchen.

Ein Glas Wasser auf einem Cafétisch als Sinnbild für regelmäßiges Wassertrinken gegen Mundtrockenheit
Ein paar Schluck Wasser vor dem Schlafengehen und nach dem Aufwachen bringen den nachts ausgetrockneten Mund etwas in Ordnung. Foto von Kurt Kaiser, Wikimedia Commons (CC0)

Hilft Mundtape gegen Mundgeruch am Morgen?

In den letzten ein, zwei Jahren wird viel über Mundtape gesprochen, also darüber, sich nachts die Lippen zuzukleben. Die Überlegung ist nachvollziehbar. Bleibt der Mund geschlossen, trocknet er nicht aus, und der Geruch am Morgen wird schwächer. Nur sind die Studien dünn gesät. Wer eine verstopfte Nase hat, schnarcht oder bei dem ein Verdacht auf Schlafapnoe besteht, geht ein Risiko ein, wenn er den Mund verschließt. Da gibt es nichts zu spaßen. Sinnvoller ist aus meiner Sicht diese Reihenfolge, zuerst bei einem HNO-Arzt prüfen zu lassen, ob Sie durch die Nase frei atmen können.

Kommt Mundgeruch aus dem Magen?

Seltener, als man glaubt. Das untere Ende der Speiseröhre ist normalerweise verschlossen, Gase aus dem Magen mischen sich also nicht ständig in den Atem. Ein vom Magen ausgehender Geruch tritt eher bei Menschen mit Reflux auf, zusammen mit saurem Aufstoßen und Brennen hinter dem Brustbein. Ob auch das Magenbakterium Helicobacter pylori mit dem Atemgeruch zusammenhängt, wird noch untersucht, die Ergebnisse sind bisher nicht eindeutig.

Manche kommen mit der Packung eines Refluxmedikaments zu uns. „Ich nehme das seit Monaten, und der Geruch ist nicht weg.“ Bei der Untersuchung finden wir dann häufig eine dicke Schicht hinten auf der Zunge oder eine blutende Zahnfleischtasche. Die Ursache, die monatelang im Magen gesucht wurde, sitzt in Wirklichkeit ein paar Zentimeter weiter oben, an der Zungenwurzel oder am Zahnfleischrand. Deshalb ist diese Reihenfolge sinnvoller. Erst den Mund prüfen lassen, und wenn der Mund sauber ist, den Magen.

Warum geht Knoblauchgeruch auch mit Zähneputzen nicht weg?

Nach einem Dönerteller mit reichlich Knoblauchsoße können Sie dreimal putzen, der Geruch bleibt. Die Schwefelverbindungen des Knoblauchs werden verdaut, gelangen ins Blut, erreichen die Lunge und werden über den Atem abgegeben. Er kommt also nicht aus dem Mund, sondern von innen, und kann ein, zwei Tage anhalten. Geduld, mehr nicht. Mit rohen Zwiebeln auf dem Brötchen ist es nicht anders. Auch die Mayo Clinic beschreibt, dass solche Lebensmittel nach der Verdauung ins Blut übergehen und den Atem über die Lunge beeinflussen.

Rote Zwiebel, Schalotte und Knoblauchzehen, geruchsintensive Lebensmittel, die ins Blut übergehen und den Atem beeinflussen
Knoblauchgeruch lässt sich nicht wegbürsten, denn er gelangt über Blut und Lunge in den Atem. Foto von Caduser2003 at ml.wikipedia, Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)

Kaffee und Zigarette trocknen den Mund zusätzlich aus. Morgens nüchtern am Bahnsteig eine Zigarette, der Kaffee im Stehen, danach Termin auf Termin bis mittags ohne einen Schluck Wasser und zwischendurch ein halbes Käsebrötchen. Den Geruch, der so entsteht, überdeckt weder ein Kaugummi richtig noch eine Mundspülung. Ein Glas Wasser neben dem Kaffee ist eine kleine, aber wirksame Gewohnheit. In Wien und in jedem türkischen Café gehört es ohnehin dazu. Diese Tradition sollten wir nicht aufgeben.

Eine weiße Tasse mit schwarzem Kaffee als Sinnbild dafür, dass Kaffee und Rauchen den Mund austrocknen
Das Wasserglas neben dem Kaffee ist keine Dekoration, es verzögert das Austrocknen des Mundes. Foto von Petar Milošević, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Mundgeruch beim Fasten, woher kommt er?

Wer lange nichts isst, bildet weniger Speichel, und sobald der Körper zur Energiegewinnung Fett verbrennt, entstehen Ketone, die dem Atem einen leichten Geruch nach Aceton geben. Das vergeht wieder. Dasselbe sieht man bei Menschen, die sich ketogen, also sehr kohlenhydratarm ernähren. Im Ramadan gilt das ebenso wie beim Intervallfasten. Es hilft, vor Sonnenaufgang (Suhur) reichlich zu trinken, danach Zähne und Zunge zu reinigen und beim Fastenbrechen (Iftar) stark gesalzene und scharf gewürzte Speisen zu begrenzen. Das schwächt den Geruch deutlich ab.

Wie teste ich meinen Mundgeruch selbst?

Am ehrlichsten prüfen Sie sich zu Hause, indem Sie verschiedene Stellen im Mund einzeln beriechen. In die Hand zu hauchen bringt nichts, Ihre Nase kennt den Geruch längst.

  1. Löffeltest. Legen Sie einen Dessertlöffel ganz hinten auf die Zunge und ziehen Sie ihn leicht nach vorn, warten Sie eine Minute und riechen Sie daran. Ist die Schicht auf dem Löffel gelblich und riecht deutlich, liegt die Quelle vermutlich auf der Zunge.
  2. Zahnseide-Test. Ziehen Sie Zahnseide zwischen den hinteren Backenzähnen durch und riechen Sie daran. Starker Geruch oder Blut verstärken den Verdacht auf Zahnfleisch und Beläge in den Zahnzwischenräumen.
  3. Handgelenktest. Lecken Sie die Innenseite Ihres Handgelenks ab, warten Sie zehn Sekunden und riechen Sie. Der Test spiegelt den vorderen Teil der Zunge wider und sagt über den hinteren Bereich wenig aus.
  4. Jemanden fragen, dem Sie vertrauen. Ihren Partner, Ihre Schwester, einen engen Freund. Das klingt peinlich, ist aber noch immer die verlässlichste Messung.

Keiner dieser Tests stellt eine Diagnose. Sie sagen Ihnen nur, wo Sie hinschauen sollten.

Zahnseide auf einer Spule in Lila und Weiß, mit der sich der Geruch aus den Zahnzwischenräumen prüfen lässt
Wer an der Zahnseide aus den hinteren Zahnzwischenräumen riecht, bekommt eine ehrliche Auskunft über den eigenen Geruch. Foto von Tiia Monto, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Wie stellt der Zahnarzt Mundgeruch fest?

Bei der Untersuchung schauen wir zuerst auf die Zähne, dann auf das Zahnfleisch und zuletzt auf die Zunge. Die Tiefe der Zahnfleischtaschen messen wir mit einer dünnen Sonde mit Millimeterskala Zahn für Zahn. Blutende Stellen, die Ränder alter Füllungen, die Bereiche unter Brücken und die Umgebung der Weisheitszähne werden notiert, und für Karies, die man von außen nicht sieht, und für Undichtigkeiten unter Füllungen braucht es zusätzlich ein Röntgenbild. Das Auge allein reicht nicht.

Nahaufnahme, wie ein Zahnarzt mit dem Mundspiegel Zähne und Zahnfleisch des Patienten untersucht
Bei der Untersuchung werden neben den Zähnen auch die Zahnfleischtaschen und der hintere Zungenbereich einzeln geprüft. Foto von Jameswasswa, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Beim Geruch selbst wird es ein wenig überraschend. Machen Sie sich auf etwas gefasst. Der Zahnarzt bittet den Patienten, aus einer bestimmten Entfernung auszuatmen, und riecht direkt daran. Ja, wirklich. Er riecht daran. In der Fachliteratur heißt das organoleptische Messung, und sie gilt noch immer als Standardmethode. In manchen Praxen kommen zusätzlich tragbare Geräte zum Einsatz, die die Schwefelverbindungen im Atem in Zahlen erfassen.

Schema zu Messmethoden bei Halitosis mit Geruchstest und Geräten zur Messung von Schwefelverbindungen
Der Atem lässt sich durch Riechen ebenso beurteilen wie mit Geräten, die Schwefelverbindungen messen. Foto von Aydinmur, Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Noch eine Bitte. Wenn Sie wegen Mundgeruch einen Termin haben, nehmen Sie an dem Morgen keine Mundspülung, tragen Sie kein Parfüm auf und lassen Sie Knoblauch und Zwiebeln einen Tag vorher weg. Eine Patientin hatte sich einmal Hände und Gesicht so gründlich mit Zitronen-Kölnisch-Wasser abgerieben, dass das Behandlungszimmer wie die Parfümabteilung im Kaufhaus roch. Den eigentlichen Geruch konnten wir erst beim zweiten Termin beurteilen.

Kleine Zahnröntgenfilme auf einem Lichtkasten, auf denen verborgene Karies sichtbar werden kann
Unsichtbare Karies und Reste, die unter einer Füllung austreten, zeigen sich oft erst auf dem Röntgenbild. Foto von Vyacheslav Argenberg, Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

Mundgeruch loswerden, was hilft je nach Ursache?

Wird die Quelle gefunden und behandelt, lässt der Geruch bei den meisten deutlich nach. Pfefferminz, Kaugummi und Mundspülung überdecken ihn eine Weile, an die Quelle gehen sie nicht heran. Welcher Weg der richtige ist, hängt davon ab, woher der Geruch kommt.

  • Bei Zahnstein ist der erste Schritt die Zahnsteinentfernung. Zahnstein ist eine raue Fläche, hält Bakterien fest und lässt sich mit der Bürste nicht entfernen.
  • Sind die Taschen tief, ist eine Zahnfleischbehandlung nötig. Die Wurzeloberflächen werden gereinigt, die Taschen nach einigen Wochen erneut gemessen.
  • Bei Karies oder einer defekten Füllung wird die Füllung erneuert. Reicht die Karies bis zum Nerv, kommt eine Wurzelkanalbehandlung in Betracht.
  • Überstehende Kronenränder und alte Brücken, unter die Essen gerät, müssen erneuert werden, sonst verschwindet der Geruch oft nicht ganz. Wenn Sie zwischen Brücke und Implantat entscheiden müssen, kann der Beitrag Implantat oder Brücke weiterhelfen.
  • Wer eine herausnehmbare Prothese trägt, sollte sie nachts unbedingt herausnehmen und bürsten.

Apropos Prothese. Letzten Monat holte eine ältere Dame ihre in ein Taschentuch gewickelte Prothese aus der Handtasche und legte sie auf den Tisch. „Ich trage sie auch nachts, ich habe Angst, sie sonst irgendwo liegen zu lassen“, sagte sie. Verständlich, niemand möchte seine Prothese verlieren. Doch eine Prothese, die die ganze Nacht im Mund bleibt, überzieht sich samt dem darunterliegenden Gewebe mit einer dicken Bakterienschicht, und daher kommt der Geruch. Eine Dose, etwas Wasser, jeden Abend eine Bürste, mehr braucht es nicht. Die Angst vor dem Vergessen löst meist genau diese Dose auf dem Nachttisch.

Nach der Behandlung ist der Geruch nicht unbedingt über Nacht verschwunden. Die Heilung des Zahnfleischs dauert einige Wochen, und solange die Pflege zu Hause nicht sitzt, hält die Erleichterung nicht an. Deshalb planen wir die erste Kontrolle 4-6 Wochen nach der Behandlung.

Was hilft zu Hause gegen Mundgeruch?

Zu Hause wirkt am meisten, das Putzen vor dem Schlafengehen nie auszulassen. Auch das Putzen tagsüber zählt, aber das abendliche nimmt den Bakterien das Futter für die Nacht. Zwei Minuten Bürste, danach Zahnseide oder Interdentalbürste, zuletzt die Zunge. Der Rest ist Beiwerk, nett, aber nicht entscheidend.

Zwei dünne Interdentalbürsten in einer weißen Tasse zur Reinigung der Zahnzwischenräume
Bei weiten Zahnzwischenräumen holt die Interdentalbürste oft mehr Reste heraus als Zahnseide. Foto von Denkhenk, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Über den Tag verteilt kleine Schlucke Wasser tun bei Mundtrockenheit gut. Zuckerfreier Kaugummi mit Xylit regt den Speichelfluss an und verschafft kurzfristig Linderung. Zwei Packungen am Tag erzählen uns dagegen etwas anderes, die Quelle ist dann noch immer da.

Weiße zuckerfreie Xylit-Kaugummis in einer blauen Glasschale
Zuckerfreier Kaugummi regt den Speichel an, beseitigt aber nicht die Quelle des Geruchs. Foto von Kotivalo, Wikimedia Commons (CC0)

Bei der Mundspülung muss man offen sein. Die meisten Produkte drücken den Geruch ein, zwei Stunden nieder. Der Unterschied ist eine Frage der Dauer. Alkoholhaltige trocknen den Mund aus und können deshalb nach einer Weile das Gegenteil bewirken. Chlorhexidinhaltige Spülungen helfen während einer Zahnfleischbehandlung für die kurze Zeit, die der Zahnarzt empfiehlt, bei langem Gebrauch können sie braune Verfärbungen der Zähne und Geschmacksveränderungen verursachen. Alkoholfreie Spülungen mit Zink oder Cetylpyridiniumchlorid binden Schwefelverbindungen und können etwas länger wirken.

Blaue Mundspülung in einem kleinen Becher, Hinweis auf begrenzten und richtigen Gebrauch von Mundspülungen
Mundspülung überdeckt den Geruch eine Weile, alkoholhaltige trocknen den Mund aus und können das Gegenteil bewirken. Foto von Erschaffung at German Wikipedia, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 de)

Petersilie, grüner Apfel, Nelken, grüner Tee. Alle maskieren den Geruch für eine Weile, und Schaden richten sie auch nicht an. Auch das in den sozialen Medien beliebte Ölziehen, also einen Löffel Kokosöl minutenlang im Mund zu bewegen, gehört in diese Gruppe. Ein starker Beleg dafür, dass es die Bürste ersetzt, fehlt. Harmlos. Aber zu wenig. Das Rezept mit Natron und Zitrone, das man auf die Zähne reibt, lehne ich dagegen klar ab, denn Säure und Schleifmittel zusammen greifen den Zahnschmelz an.

Wann steckt hinter Mundgeruch eine Erkrankung?

Der Charakter des Geruchs gibt manchmal einen Hinweis. Hält er an, obwohl Mund und Zahnfleisch behandelt sind, muss man andere Quellen in Betracht ziehen.

  • Ein Geruch nach faulem Obst oder Aceton kann, besonders zusammen mit starkem Durst und häufigem Wasserlassen, ein Zeichen für einen entgleisten Blutzucker sein, dann sollte man nicht warten, sondern zum Arzt gehen.
  • Ein Geruch, der an Urin oder Ammoniak erinnert, kann mit der Nierenfunktion zusammenhängen.
  • Ein süßlicher, muffiger Geruch wird bei Lebererkrankungen beschrieben.
  • Kleine weiße, sehr übel riechende Klümpchen, die mit einem Kloßgefühl im Hals einhergehen und beim Husten kommen, lassen an Mandelsteine denken.
  • Kommt der Geruch zusammen mit verstopfter Nase, Sekret im Rachen und einem Druckgefühl im Gesicht, kann eine Nebenhöhlenentzündung dahinterstecken.

Auch der britische Gesundheitsdienst NHS rät, bei Mundgeruch, der trotz einiger Wochen regelmäßiger Pflege zu Hause nicht verschwindet, den Zahnarzt aufzusuchen. Kommen Zahnfleischbluten, Schwellung oder ein wackelnder Zahn hinzu, sollten Sie nicht warten.

Mundgeruch bei Kindern, was steckt dahinter?

Bei Kindern sind die häufigsten Gründe die Mundatmung und Beläge auf der Zunge. Kinder mit vergrößerten Polypen schlafen nachts mit offenem Mund, der Geruch am Morgen ist entsprechend ausgeprägt. Auch Karies an den Milchzähnen ist bei Kindern eine wichtige Quelle.

Ein Umstand wird von Eltern leicht übersehen. Kommt aus nur einem Nasenloch ein übel riechender, gefärbter Ausfluss und riecht zugleich der Atem, kann ein kleiner Fremdkörper in der Nase stecken, zum Beispiel eine Perle oder eine Erbse. Viele Eltern halten das für eine lang anhaltende Erkältung. Eine Untersuchung der Nase ist unbedingt nötig. Bei den Kontrollen in der Kinderzahnheilkunde lässt sich die Zungenreinigung spielerisch beibringen, dann setzt sich die Gewohnheit leichter durch.

Zu welchem Arzt geht man bei Mundgeruch?

Die erste Anlaufstelle ist der Zahnarzt. Weil die Quelle in den meisten Fällen im Mund liegt, klärt sich das Bild mit Untersuchung, Taschenmessung und gegebenenfalls Röntgenbild zum größten Teil. Ist der Mund sauber und der Geruch bleibt, kommen für Nebenhöhlen und Mandeln der HNO-Arzt, bei Verdacht auf Reflux die Gastroenterologie und für das Gesamtbild der Hausarzt ins Spiel.

An jenem Dienstagvormittag legten wir neben die Kaugummipackung noch einen Zungenschaber. Hinten auf der Zunge lag eine dicke Schicht, und zwischen den unteren Backenzähnen bluteten zwei Taschen. Während ich einen neuen Termin für die Zahnsteinentfernung eintrug, hob er den Kopf. „Soll ich den Kaugummi lassen?“ Das müsse er nicht, sagte ich, aber die Last trage ab jetzt nicht mehr der Kaugummi allein.

Häufige Fragen

Geht Mundgeruch ganz weg?

Liegt die Quelle im Mund und wird sie behandelt, lässt der Geruch bei den meisten deutlich nach. Sind Zahnstein, Zahnfleischtaschen und Zungenbelag gereinigt, kann der Geruch innerhalb weniger Monate zurückkehren, wenn die Pflege zu Hause nicht regelmäßig weitergeht. Was die Dauer bestimmt, sind die täglichen Gewohnheiten nach der Behandlung.

Warum habe ich Mundgeruch, obwohl ich meine Zähne putze?

Die Bürste reinigt die Vorder- und Rückseiten der Zähne, kommt aber kaum in die Zahnzwischenräume, tief in die Zahnfleischtaschen und auf den hinteren Zungenbereich. Genau dort liegt die häufigste Quelle. Zahnseide oder Interdentalbürste plus Zungenschaber machen oft den Unterschied.

Kommt Mundgeruch aus dem Magen?

Meistens nicht, der größte Teil des Geruchs hat seine Quelle im Mund. Ein vom Magen ausgehender Geruch tritt eher bei Reflux auf, begleitet von saurem Aufstoßen und Brennen hinter dem Brustbein. Sinnvoller ist es, zuerst den Zahnarzt aufzusuchen und, wenn der Mund sauber ist, den Magen abklären zu lassen.

Können Mandelsteine Mundgeruch verursachen?

Ja. Speisereste und Bakterien sammeln sich in den Vertiefungen der Mandeln und verhärten zu kleinen, weißlich gelben, sehr übel riechenden Steinen. Ein Kloßgefühl im Hals und weiße Krümel beim Husten sind typische Anzeichen, die Abklärung übernimmt der HNO-Arzt.

Hilft eine Zahnsteinentfernung gegen Mundgeruch?

Sind Zahnstein und die damit verbundene Zahnfleischentzündung die Quelle, lässt der Geruch nach der Reinigung deutlich nach. Bei tiefen Zahnfleischtaschen reicht die Reinigung allein manchmal nicht, dann ist eine Zahnfleischbehandlung nötig. Auch der Belag auf der Zunge muss zusätzlich gereinigt werden.

Hilft Mundspülung gegen Mundgeruch?

Die meisten Mundspülungen überdecken den Geruch für ein bis zwei Stunden, die Quelle beseitigen sie nicht. Alkoholhaltige können den Mund austrocknen und den Geruch verstärken. Alkoholfreie mit Zink oder Cetylpyridiniumchlorid wirken etwas länger, chlorhexidinhaltige sollten nur so kurz benutzt werden, wie der Zahnarzt es empfiehlt.

Hilft Kaugummikauen gegen Mundgeruch?

Zuckerfreier, vorzugsweise xylithaltiger Kaugummi regt den Speichelfluss an und lindert Mundgeruch durch Mundtrockenheit kurzfristig. Die Quelle des Geruchs behandelt er nicht. Wer den ganzen Tag kauen muss, um sich sicher zu fühlen, sollte die Ursache abklären lassen.

Was hilft gegen Mundgeruch beim Fasten?

Vor Sonnenaufgang reichlich Wasser trinken, danach Zähne und Zunge reinigen und beim Fastenbrechen stark gesalzene, scharfe Speisen begrenzen. Ein leichter Geruch ist normal, weil beim Fasten weniger Speichel fließt und Ketone entstehen. Hält der Geruch auch nach dem Fastenbrechen an, sollte man eine Quelle im Mund in Betracht ziehen.

Zu welchem Arzt gehe ich bei Mundgeruch?

Zuerst zum Zahnarzt, denn in den meisten Fällen liegt die Quelle im Mund. Findet er bei Zähnen und Zahnfleisch nichts, folgt die Überweisung zum HNO-Arzt für Nebenhöhlen und Mandeln oder zum Magen-Darm-Spezialisten bei Verdacht auf Reflux.

Wie teste ich meinen Mundgeruch selbst?

Mit einem Löffel können Sie den hinteren Zungenbereich leicht abschaben und nach einer Minute daran riechen, oder Sie riechen an Zahnseide, die Sie zwischen den hinteren Zähnen durchgezogen haben. In die Hand zu hauchen ist unzuverlässig, weil sich die Nase an den eigenen Geruch gewöhnt. Jemanden aus dem engen Umfeld zu fragen bleibt die praktischste Methode.

Lässt Sie der Mundgeruch nicht los, suchen wir bei einer Untersuchung gemeinsam die Quelle. Schreiben Sie uns Ihre Fragen, wir finden in Haliç oder Pendik einen passenden Termin für Sie. Zur Kontaktseite

Kostenloses Angebot anfordern

Kontaktieren Sie uns